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Die Riester-Rente galt einst als Hoffnungsträger für die private Altersvorsorge in Deutschland. Jetzt erklärt Finanzminister Lars Klingbeil das Modell für gescheitert – und plant eine radikale Reform. Doch nicht alle sind begeistert. Was steckt hinter dem neuen Altersvorsorgedepot, und warum sorgt es für Diskussionen?
Warum die Riester-Rente als gescheitert gilt
Vor rund 25 Jahren wurde die Riester-Rente eingeführt, um die Lücke in der gesetzlichen Rente zu schließen. Die Idee: Der Staat fördert Bürgerinnen und Bürger, wenn sie privat vorsorgen. In der Praxis aber erwies sie sich oft als zu kompliziert, zu teuer und kaum rentabel.
Seit 2018 geht die Zahl der Verträge zurück. Schätzungen zufolge wurden bis zu ein Viertel der Riester-Verträge ruhend gestellt. Ein Hauptproblem: hohe Gebühren bei gleichzeitig niedriger Rendite.
Das neue Altersvorsorgedepot – ein radikaler Neuanfang
Damit das Vertrauen in die private Vorsorge zurückkehrt, schlägt Klingbeil ein einfacheres, flexibleres Modell vor: das Altersvorsorgedepot. Es soll ab 1. Januar 2027 in Kraft treten und das Riester-System vollständig ersetzen.
Mehr Wahlfreiheit und weniger Kosten
- Anbieter müssen ein Standardprodukt mit einfachen Regeln und gedeckelten Kosten anbieten
- Verwaltungskosten dürfen maximal 1,5 % betragen
- Abschluss- und Vertriebskosten werden über die komplette Laufzeit verteilt
- Ein Anbieterwechsel ist einfacher – mit nur anteilig zu zahlenden Abschlusskosten
- In den ersten fünf Jahren darf eine Wechselgebühr verlangt werden
Investieren statt garantieren
Anders als bei der Riester-Rente steht beim neuen Modell nicht die Garantie des Endbetrags im Fokus. Das Depot funktioniert wie ein Wertpapierdepot – Anlegerinnen und Anleger können unter anderem in ETFs investieren. Erlaubt sind Produkte bis zur Risikoklasse 5 von 7.
Garantien gibt es dabei keine. Wie viel Geld am Ende zur Verfügung steht, hängt ganz vom Verlauf der Anlagen ab.
Für Sicherheitsbewusste: Garantien als Option
Wer mehr Sicherheit möchte, hat die Wahl zwischen zwei weiteren Produkten mit garantierten Leistungen:
- 80 % Garantie auf die eingezahlten Beiträge
- 100 % Garantie auf die gesamte Einzahlung
Auch langfristige Auszahlungspläne ohne Rentenverpflichtung werden ermöglicht. Anbieter dürfen künftig Produkte anbieten, bei denen die Auszahlung rein flexibel erfolgt – ein Vorteil für viele frustrierte Riester-Sparer.
Staatliche Förderung bleibt erhalten
Wie bei der Riester-Rente wird es auch hier staatliche Förderung geben. Eingezahlte Beiträge bleiben steuerfrei – besteuert wird erst im Rentenalter. Das macht das Modell für viele attraktiver und transparenter.
Frühstart-Rente für Kinder und Jugendliche
Ein weiteres Highlight der Reform ist die sogenannte Frühstart-Rente. Diese richtet sich an Kinder und Jugendliche zwischen sechs und 18 Jahren. Der Staat zahlt hier monatlich zehn Euro in ein individuelles Depot ein.
Mit der Volljährigkeit wird dieses Depot automatisch in ein Altersvorsorgedepot umgewandelt. Für Kinder, deren Eltern kein Depot eröffnen, besteht ein kollektives Anlageprodukt, das später mitsamt Rendite in ein persönliches Depot überführt werden soll.
Zum Start im Jahr 2027 profitieren nur Kinder des Geburtsjahrgangs 2020. Danach soll jedes Jahr ein weiterer Jahrgang dazukommen. Kinder, die 2019 oder früher geboren wurden, sind allerdings nicht dabei – eine Entscheidung, die bereits kritisiert wird.
Skepsis und Diskussion um die neue Reform
So ambitioniert der Plan ist – er stößt nicht überall auf Zustimmung. Kritiker bemängeln die fehlenden Garantien im Basismodell oder warnen vor einer zu starken Abhängigkeit vom Kapitalmarkt. Andere begrüßen die Reform als überfälligen Schritt in Richtung moderner Vorsorge.
Besonders umstritten: die Tatsache, dass ältere Jahrgänge bei der Frühstart-Rente leer ausgehen. Auch bleibt offen, wie viele Anbieter sich tatsächlich beteiligen werden und ob der versprochene Bürokratieabbau gelingt.
Fazit: Ein Neuanfang mit vielen Fragezeichen
Klingbeils Konzept bietet viel Potenzial, die Versäumnisse der Riester-Rente zu korrigieren. Mehr Flexibilität, klarere Kosten und echte Wahlfreiheit könnten vielen Menschen neue Perspektiven bieten.
Doch entscheidend wird sein, wie das Modell in der Praxis funktioniert – und ob Bürgerinnen und Bürger tatsächlich wieder Vertrauen in die private Altersvorsorge fassen.












